Ansprache anlässlich der Kranzniederlegung durch den Ortsbeirat Ramschied am Volkstrauertag 2018

Viele Menschen betrachten den Volkstrauertag als ein Relikt der Vergangen­heit. Sie verbinden ihn ausschließlich mit den beiden Weltkriegen, deren Ende ein Jahrhundert bzw. über 70 Jahre zurückliegt. Darauf darf dieser Tag jedoch nicht reduziert werden.

Liebe Ramschiederinnen, liebe Ramschieder,

wir sind heute hier um den vielen Opfern der beiden Weltkriegen zu gedenken, den gefallenen Soldaten, den vielen Toten in der Zivilbevölkerung, den Frauen und Kindern, die als Hinterbliebene großes Leid ertragen mussten. Der Respekt vor den vielen Millionen Opfern von Krieg und Gewalt gebietet uns, diesen Gedenktag zu achten und weiterhin zu begehen.

Mit diesem Gedenken ist aber auch eine Verpflichtung verbunden. Die Ver­pflichtung alles zu tun was in unserer Macht steht, damit es niemals wieder zu einer solchen Katastrophe kommt, die zig Millionen Menschen das Leben gekostet und unzähliges Elend verursacht hat.

In Deutschland genießen wir eine freiheitlich demokratische Grundordnung, in der die Würde eines jeden Menschen, freie Meinungsäußerung und die freie Entfaltung der Persönlichkeit durch die Verfassung garantiert ist. Und wir leben in Frieden. Dies sind hohe Güter, die heute viel zu häufig als selbstverständlich erachtet werden, es aber wahrlich nicht sind, wie uns ein Blick in die Nachrichten zum Weltgeschehen zeigt.

Das Gedenken an die vielen Heimatvertriebenen und verfolgten Flüchtlinge während und nach dem 2. Weltkrieg verpflichtet uns aber heute auch, im Rahmen unserer Möglichkeiten Menschen humanitäre Hilfe zu leisten, die politisch verfolgt werden und um ihr Leben fürchten müssen. Dazu gehört auch, sich Strömungen in unserer politischen Landschaft entgegen zu stellen, die erneut Fremdenhass schüren und Menschen aus anderen Ländern dieser Erde in Not den grundgesetzlich garantierten Schutz verweigern wollen.

Daher das Vermächtnis und der Appell an uns alle, insbesondere auch an die Jüngeren, die die Zukunft gestalten werden: „Lassen wir es nicht leicht­fertig zu, dass nationalistisches Gedankengut wieder die Oberhand gewinnt und uns zurückführt in Zeiten, die kein Mensch mehr durchleiden sollte“.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit, und bitte Sie, nun mit uns der Toten zu gedenken, wenn wir als Ortsbeirat im Namen aller Bürgerinnen und Bürger Ramschieds zum Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt diesen Kranz niederlegen.

Der Ortsvorsteher für den Ortsbeirat Ramschied

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